Lange schon ausgesponnen


Alter Textilbetrieb als Industriebrache

  INDUSTRIE   14 | 3:15 Min

Als VEB Jutespinnerei Texafol firmierte zu DDR-Zeiten der Leipziger Spinnereibetrieb Tränkner & Würker Nachfahren. Das Unternehmen überlebte die Wende nur um Monate und hinterließ am Karl-Heine-Kanal eine charismatische Industriebrache aus der Gründerzeit.

Außenansicht Ruine Fabrikanlage hinter rostigem Zaun im Wildwuchs
Hinter Brombeerhecken verharren die seit mehr als einem Vierteljahrhundert leer stehenden Gebäude

Einer von vielen

Am östlichen Ufer des Leipziger Karl-Heine-Kanals liegt unmittelbar an der Lützner Straße der Gebäudekomplex der ehemaligen Jutespinnerei Tränkner & Würker Nachfahren. In der Nachbarschaft der 1884 errichteten Baumwollspinnerei, einst die größte ihrer Art in Kontinental-Europa, produzierte man hier vor allem Verpackungsmaterialien und Hochdruckpressfäden. Die Fabrikanlage wurde im Jahr 1896 errichtet, das Gelände prägt ein langgestreckter einstöckiger Hallenkomplex, der in drei größere Produktionshallen unterteilt ist. Mit dem Kanal auf der einen und eingefasst von zwei Gleisanschlüssen lag das Objekt gut erschlossen in den aufstrebenden Industrierevieren von Lindenau und Plagwitz.

Großflächige Graffiti an den hohen Wänden im ehemaligen Heizhaus
Nahezu altarhaft präsentiert sich das Innere des leeren Kesselhauses mit seinen Graffiti
Unrat, Sonnenschein und Graffiti in einem Gang im Inneren des Gebäudes
In der ehemaligen Betriebskantine häufen sich Schutt und Unrat unter freiem Himmel
Leerstehendes Werkstattgebäude mit zerstörtem Dach und Dachresten im Inneren der Grundmauern
Viele der Nebengebäude bieten nach Brandschäden einen unverstellten Blick ins Freie

Leerstand und Vandalismus

In der DDR war das Unternehmen als VEB Jutespinnerei Texafol bekannt. Trotz Umfirmierung in die Texafol Leipzig GmbH überlebte der Betrieb die Wendezeiten nicht. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert stehen die Hallen mittlerweile leer. Der Zahn der Zeit und diverse Brandstiftungen haben den markanten Gebäuden stark zugesetzt. Ein Nebengebäude und ein Teil der Umfassungsmauer wurden beim Ausbau der angrenzenden Lützner Straße Ende 2015 abgerissen, ansonsten ist das Gebäudeensemble, wenn auch von Verfall und Zerstörung gezeichnet, erhalten geblieben.

Leerer dunkler Flur mit abgeblätterter Farbe und Bauschutt
Im Verwaltungsteil spielen Licht und Schatten auf kahlen wie bunten Wänden
Licht und Schatten in der ehemaligen Produktionshalle unter dem teilweise zerstörten Dach
Das fehlende Dach gewährt der Sonne vollen Zugang und sorgt für interessante Eindrücke
Blick durch leere Räume mit Bauschutt, Brandspuren und Graffiti
Das Gebäudeensemble ist durch Leerstand, Verfall und Vandalismus geprägt
Eingang Werkhalle mit stählerner Flügeltür, übersät mit bunten Graffitis
Auch ohne Besucherverkehr präsentieren sich zahlreiche Graffiti-Galerien dem Betrachter
Blick in die langgestreckte Produktionshalle mit Dachbalken und deren Schatten auf dem Boden
Baulicher Mittelpunkt der Anlage ist die langgestreckte ehemalige Produktionshalle
Verfallene Ziegelfront des Gebäudes in Bogen auf kleiner Anhöhe
Auf der Anhöhe neben dem Karl-Heine-Kanal stehen die Gebäude beinahe burgenhaft-trutzig
Verfallene und beräumte Nebenhalle mit Betonsegmenten im Boden
Bei vielen Räumen lässt sich die einstige Verwendung nur noch schwach erahnen
Durch Brand zerstörtes Dach mit Resten der Dachkonstruktion und Balken am Boden
Allgegenwärtig ist Vandalismus, nach Brandstiftungen stürzten Teile des Daches ein

Zukunft immer wieder offen

Auf dem südlichen Areal des Geländes entstand bereits 2011 ein Gesundheits-Sportzentrum, das einen Gebäudeteil denkmalschutzgerecht sanierte. Die erhoffte Initialzündung für weitere neue Nutzungen der brach liegenden Industrieflächen blieb jedoch aus. Es gab dennoch immer wieder Aktivitäten und Projektentwicklungen. Ende 2017 fanden auf dem Gelände Rodungs- und Entrümpelungsarbeiten statt. Konkrete Pläne einer Nachnutzung verharrten jedoch hartnäckig in der Gerüchteküche. Im Frühjahr 2024 gelangten die Baupläne zur öffentlichen Vorlage. Geplant ist eine Nutzung aus Wohnen und Gewerbe, die Teile der alten Anlagen einschließt. Nun soll der Plan mit stärkerer Wohnnutzung neu angepasst werden.

Gesamtansicht des flachen Klinkerbaus im beräumten Brachland hinter neuem Metallzaun
Ende 2017 wurde das Gelände entrümpelt, gesichert und Bewuchs entfernt
Blick auf Kesselhaus und Schornstein inmitten der Vegetation
Bis das geplante Wohn- und Gewerbegebiet steht, ist (wieder einmal) Warten angesagt