SCHWERPUNKTE

So geht Lockdown

Dichtmachen - Aber richtig!

Was liegt näher, als das Jahr 2020 mit einem Lockdown-Thema endlich herunterzufahren? Der englische Begriff lockdown steht jedoch nicht allein für Ausgangssperre, sondern auch für die Absperrung oder Verriegelung von Gebäuden oder einzelner Bereiche.

Alle Schotten dicht
Beim Themenfeld Lost Places steht der Begriff Lockdown einem ganz anderen Bedeutungszusammenhang gegenüber

Ein Lockdown ist bestens geeignet, um aus der Zeit gefallenes auch räumlich abzugrenzen. Dabei ist der Begriff in Bezug auf verlassene Orte sogar passender als der artverwandte Shutdown. Der verweist zumeist auf die endgültige Stilllegung oder Schließung. Im Sinne von Herunterfahren hat der einst gefürchtete Shutdown im computergeprägten Alltag allerdings keinen negativen Beigeschmack mehr. Er ist Gewohnheit bei Nutzern aller Betriebssysteme.

Erste Sicherungsmaßnahmen

Im Gegensatz zu den verschiedenen Coronaschutz-Maßnahmen und -aktionismen sind die Sicherungsmaßnahmen an Lost Places nicht umstritten. Ein einfaches Abschließen reicht jedoch in den meisten Fällen zum Schutz der Objekte nicht aus. Es müssen wirksamere Hürden gesetzt werden. Denn die Nutzung einer Nichtnutzung beginnt zumeist mit dem Hinaustragen vermeintlich wertvoller Gegenstände. Später folgt das Hineintragen von Müll, am Ende steht nicht selten ein veritabler Brandschaden.


Mit Bautür gesichert
Die harmloseste wie einfachste Form der Gebäudesicherung ist ein Bauzaun, der meist in absehbarer Zeit von allein verschwindet

Verschweißte Tür
An einem ehemaligen Militärobjekt ist die Sicherung des Zuganmgs schon etwas robuster ausgeführt

Die nächst folgenden Boten der offensichtlichen Nichtnutzung sind sich scheinbar selbst häufende Abfälle. Zuerst sind es leere Getränkebehälter und andere Dinge, die Passanten vorher in der Hand oder Tasche trugen. In der nächsten Phase der Bruchaktivitäten gesellen sich zu den ersten Glasflaschen die Splitter eingeschlagener Fensterscheibe. Nun wächst der Müllberg ohne Unterlass. Abfall aller Art landet nicht etwa unauffällig im allernächsten toten Winkel wie beim ambitionierten Schrebergärtner. Häufig scheint man keine Mühen zu scheuen, um mit Müllsäcken und Autoreifen selbst vollkommen entlegene Ecken zu erreichen.

Verlassener Ort mit Mülltonne
Ausnahmen bestätigen die Regel, hier dürfte auch die abgelegene Lage noch unterstützend sein

Es folgt ungezügelter Vandalismus

Der scheinbar automatisch verlaufende Glasbruch läuft nach fest programmiertem Schema ab. Jener destruktiver Zeitvertreib ist aber keine Erfindung unserer Tage. Unter dem Begriff Vandalismus fand das Phänomen bereits im Jahre 1798 Eingang in das Wörterbuch der Académie française. Die dort beschriebene Normenverletzung dürfte in Sachen Lost Places jedoch weniger zutreffen. Dafür fehlt die ideelle Überhöhung der angegriffenen nutzlos gewordenen Orte und Objekte. Es sind eher das Abreagieren persönlicher Defizite, Imponiergehabe und ähnliches. Die offensichtliche Nutzlosigkeit der Objekte, Brüche in individueller Sozialisation, migrationsbedingte Traumata und anderes mehr liefern argumentative Schutzschilde. Wahrscheinlich ist die Zerstörungswut für viele lediglich so etwas wie das Hinterlassen von Spuren auf einer unberührten Schneefläche.

Vermüllte Garage
Verlassene Orte üben eine magische Anziehungskraft gegenüber allen Arten von Müll aus

Leere Fensterrahmen
Das Wenige, das nur mühsam zu erreichen ist, bleibt unversehrt

Üblicherweise folgen im nächsten Schritt die Brandschäden. Wenn es so verlassen dasteht, kann man es ja auch anstecken. Vom verbotenen Gegenteil war ja nichts zu lesen. Nicht selten kommt so eines zum anderen. So wie früher ein nicht reparierter Dachrinnenschaden auch ohne Vandalen ein ganzes Gebäude ins Verderben ziehen konnte, sind es heute diverse Brandschäden, die ganze Karrees auslöschen. Die sarkastische Bemerkung vom warmen Abriss trifft das Handeln der Zündler recht treffend.

Ausgebrannte Fahrzeuge
Über Akte des Vandalismus scheint allein das Unbeobachtetsein zu entscheiden

Wenn die Zeit ins Stocken gerät

Zäune und Bretterverschläge vor einstigen Fenstern und Türen sind dann auch - je nach Blickrichtung - die ersten oder vorletzten Maßnahmen zur groben Sicherung der umliegenden Bausubstanz. Meist jedoch bleibt es bis zum ersten Loch im Zaun nur eine Frage der Zeit. Ausgetretenen Wildwegen nicht unähnlich bahnen sich Trampelpfade unerbittlich ihren Weg und bringen meist unerfreulichen Besuch mit sich. Erschwerend kommt hinzu, dass viele der aus der Zeit gefallenen Objekte keine Einzelfälle sind, sondern Resultate eines wirtschaftlichen Strukturwandels. Sie sind faktisch überall zu finden, sind ungeliebte Artefakte einer unliebsamen alten Zeit, prägen Stadtteile wie Ortschaften und Landstriche.

Dichtgemachter Milchhof
Ehemalige Produktionsstätten sind ebenso betroffen ...

Geschlossener Frisörladen
... wie lokale kleine Dienstleistungsbetriebe

Lieferrampe am Hotel
Auch die Hotellerie musste an vielen Standorten herbe Rückschläge verkraften

Imbisswagen in der City
Die mobile Kleingastronomie hat in Citylagen längst dichtgemacht

Gepäckabfertigung im Bahnhof
Gepäckabfertigungen auf Bahnhöfen braucht ohnehin niemand mehr

Bunt, bunter, Einheitsbrei

Was es früher nicht gab, war Farbe in Dosen und ihre Auswirkungen im Stadtbild. Dabei suchen Graffitis entgegen populärer Lehrmeinungen nicht unbedingt das Licht der Öffentlichkeit. Viele wirkliche Künstler haben ihren speziellen Raum oder ihre speziellen Objekte für sehenswerte Kunst gefunden. Manche dieser Kunstwerke möchte man mit den geläufigen Schmierereien am nächsten Fassadeneck gern tauschen.

Werkshalle mit Graffitis
Entgegen gängiger Meinungen suchen nicht alle Graffitikünstler die Öffentlichkeit

Graffitifassade
Im öffentlichen Bereich hingegen ist meist nur banale Schmiererei zu finden


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